Spielwiese Cabernet Franc

Zu den herausragenden heimischen Rotweingegenden zählt das Weinbaugebiet Carnuntum mit seinem Zentrum Göttlesbrunn. Wenige Kilometer ostwärts von diesem Ort liegt Bruck an der Leitha, wo in den vergangenen Jahren einige ambitionierte Winzer den Sprung zum Qualitätsweinbau geschafft haben. Einer von ihnen ist der 42-jährige Alois Taferner.

Alois Taferner

Aufhorchen ließ Taferner im abgelaufenen Jahr gleich zwei Mal: Zum einen erreichte er mit einem Pinot Noir des Jahrganges 2003 Silber bei der internationalen Weinprämierung „Vinea" in der Schweiz. Zum anderen belegte er mit dem selben Tröpfchen bei der "austrian wine challenge" den 3. Platz und hatte damit sogar im Vergleich zu arrivierten Top-Winzern die Nase vorn.

Weinpraemierung

Bemerkenswert sind diese Erfolge vor allem insofern, weil der aufstrebende Brucker das alles gleich mit seiner ersten Lese geschafft hat. Erst vor wenigen Jahren hat er den Pinot Noir ausgesetzt, der übrigens als ausgesprochener "Masochistenwein" gilt, weil dieser sowohl im Weingarten als auch im Keller extreme Anforderungen an den Hauer stellt. Das zweifach ausgezeichnete Tröpfchen präsentiert sich für einen Burgunder ganz und gar untypisch mit tiefdunkler Farbe, dicht und tanninbetont (18 Euro).

Eine Taferner'-sche Spezialität ist der reinsortig gekelterte, würzige "Cabernet Franc Barrique 2002" (7 Euro). Die Jahre 2002 und 2003 waren für die spätreifende - hierzulande äußerst seltene - Sorte geradezu ideal. Bemerkenswert ist deren biologischer Wandlungsprozess: Im zweiten Monat der Fasslagerung bekommt der Cabernet Franc ein gewisses „Stinkerl", das englische Weinfachleute als „Katzenpisse" bezeichnen, erläutert der Winzer augenzwinkernd. Nach weiteren zwei Monaten sei aber das Stinkerl wieder gänzlich verschwunden.

Auch bei seiner Edelcuvee „Ex Terra 2003" spielt der Cabernet Franc mit einem Anteil von 70 Prozent eine besondere Rolle, der Rest entfällt auf Zweigelt. Neun Monate im Barrique geschult, brilliert das vollmundige Tröpfchen mit harmonischen Brombeertönen, feinen Kaffeeanklängen und kräftigen Tanninen; rauchig im Nachhall mit langem Abgang (Preis: 15 Euro). Der Name des Weines spielt auf die Philosophie des Winzers an, der sich völlig auf die Betonung des Terroirs eingeschworen hat. „Der Wein soll nicht nur das Gebiet, sondern auch ganz ausgeprägt das Jahr spüren lassen", sagt Taferner, der eine Konzentration mit technischen Mitteln ablehnt. Lieber nehme er bei bestimmten Jahrgängen einige Ecken und Kanten in Kauf als Geschmeidigkeit durch affektierte Eingriffe herbeiführen zu wollen.

Stolz ist der Winzer auch auf seinen Zweigelt „Rubin Carnuntum 2003 Barrique". Nicht der typische Zweiglt-Kirschton, sondern eine Melange aus Beerentönen, zuvorderst Ribisel, stehen bei diesem saftigen Wein im Vordergrund (10 Euro). Der Zweigelt wird zudem in zwei klassisch ausgebauten Abstufungen zu 4,70 und 8 Euro angeboten. Insider wissen neuerdings auch Taferners Malbec mit seiner weichen Geschmacksnote zu schätzen. Im weißen Segment stechen ein fruchtiger Welschriesling 2004 (3,50 Euro) und ein duftiger Muskat Ottonel-Frizzante (5,90 Euro) heraus.

In Wien gibt es Taferner-Weine in der Vinothek „Spezerei", Karmeliterplatz 2, sowie beim Edelchinesen „Zum kaiserlichen Thron", Andreasgasse 7 (beide sehr zu empfehlen!). Zustellung in Wien frei Haus (0676/ 783-79-31).

Quelle: Wiener Journal (Das Magazin der Wiener Zeitung)